Testpersonen 65+

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Assistive Technologien können nur bei vorhandener Akzeptanz durch die Anwender*innen zielgerecht eingesetzt werden und Nutzeneffekte für diese generieren. Dies erfordert die Erprobung von Produkten und Dienstleistungen mit Testpersonen in ihrer gewohnten, alltäglichen und realen Umgebung. Wichtige Grundsätze für den Umgang mit Testpersonen, insbesondere mit Testpersonen, die 65 Jahre oder älter sind, als eine Gruppe von möglichen Anwender*innen, werden hier dargestellt [1].

Ältere Testpersonen in privaten Wohnumgebungen

Im Umgang mit Testpersonen im Rahmen eines Living Lab für die Testung von technischen Innovationen in der natürlichen Wohnumgebung gibt es verschiedene Punkte zu beachten: Umgang mit Testpersonen allgemein, spezifische Aspekte bei Testpersonen 65+ und die Tatsache, dass die Testung in der eigenen Wohnumgebung stattfindet (Testumgebungen).

Grundsätzlich sollen Studien mit Testpersonen 65+ zur Testung technischer Assistenzsysteme den gleichen Kriterien guter wissenschaftlicher Forschung entsprechen wie bei allen (jüngeren) Personen (siehe z.B. Leitfaden «Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis» [2]; «Europäischer Verhaltenskodex für Integrität in der Forschung»[3]) (Ethikkommission). Die Elemente des Forschungsprozesses müssen jedoch in besonderem Masse dieser speziellen Zielgruppe (Personen 65+) angepasst werden. Bei der Konzeption und Testdurchführung müssen Forscher*innen involviert werden, welche mit den Eigenheiten dieser Gruppe vertraut sind und diese entsprechend berücksichtigen können [4].

Rekrutierungsphase - Akquise der Testpersonen

Rekrutierungsstrategie

Die Rekrutierungsstrategie sollte zur Objektivierung zu Beginn der Akquise detailliert beschrieben und begründet werden, um Effekte einer Verzerrung bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigen zu können. Je nach Rekrutierungsstrategie können sich selektive Stichproben ergeben. Meist können vor allem gut integrierte, gebildete und technikaffine Personen [5][6][7][8] und, wenn über Multiplikatoren rekrutiert, Personen mit ähnlichem sozialem Status rekrutiert werden. Personen mit tieferem Bildungsniveau oder Migrationshintergrund sind meist schwierig zu erreichen und zu motivieren [9].

Die Freiwilligkeit der Teilnahme (Informierte Einwilligung) kann ebenfalls zu einer Verzerrung der Stichprobe führen [8][10]. Einige partizipative Forschungsprojekte beschreiben Ansätze, wie dem zu begegnen ist, z.B. indem den Testpersonen die Relevanz ihres Beitrags aufgezeigt wird [11], oder ihr «Profit» im Sinne eines direkten Nutzens hervorgehoben wird [12].

Möglichkeiten zur Rekrutierung

Gruppen, in denen sich ältere Personen organisieren, die mit älteren Menschen arbeiten, oder in denen diese überrepräsentiert sind. Zum Beispiel Bildungsinstitute für Ältere, Gemeindeangebote für Ältere, Seniorentreffs, Seniorenvertretungen auf regionaler oder lokaler Ebene, Kirchenvereinigungen, soziale Netzwerke oder Medien wie Zeitungen oder Radio [13][14]. Die Rekrutierung über bereits teilnehmende Personen ist sehr erfolgsversprechend, da sie das Projekt weiterempfehlen und somit als Multiplikatoren wirken [15][16][17][14][9].

Aufwändige Rekrutierung

Für die Rekrutierung von geeigneten Testpersonen muss genügend Zeit eingeplant werden, da sie sehr aufwändig sein kann, da die Gruppe von Personen 65+ sehr heterogen ist, eine erhöhte Dropout Rate wegen erhöhter Morbidität und Mortalität zu erwarten ist, es eine Voraussetzung ist, dass die Testpersonen, kommunikativ über ihre Erfahrungen zu berichten in der Lage sind, und Testpersonen zusätzlich zur grundsätzlichen Bereitschaft zur Studienteilnahme gewillt sein müssen, über mehrere Monate ein Produkt oder eine Dienstleistung in ihrer natürlichen Wohnumgebung zu testen, und Forscher*innen und Techniker*innen mehrmals in ihre private Wohnumgebung einzuladen [18][19][20][14][21].

Anzahl Testpersonen

Die Anzahl Testpersonen ist aus technischen und organisatorischen Gründen bei Living Lab-Testungen oft eingeschränkt [12]. Daher handelt es sich meist um kleine, aber zeitintensiv zu betreuende Stichproben.

Wahl der Stichprobe

Die Stichprobe wird hinsichtlich des Ziels der Testung rekrutiert.

Untersuchung der Usability des technischen Assistenzsystems

Auswahl eines kleineren und eher heterogen zusammengesetzten Samples [22][9], um durch die somit erhaltene breite Streuung von z.B. Alter, Technikaffinität, sozioökonomischem und kulturellem Hintergrund möglichst unterschiedliche Sichtweisen zu generieren.

Untersuchung Wirknachweis des technischen Assistenzsystems

Repräsentativität der Stichprobe bezogen auf die späteren Anwender*innen ist anzustreben.

Zu erhebende Daten

Ein- und Ausschlusskriterien sind genau zu nennen. Eine Basisbeschreibung von soziodemographischen Variablen sollte erfolgen. Anzustreben ist die Erhebung soziodemographischer Variablen, die für eine Beschreibung der jeweiligen Zielgruppe bereits durch nationale Beschreibungen oder andere repräsentative Studien vorliegen [23]. Daneben sind spezifische Merkmale der Testpersonen in Bezug auf das Forschungsziel zu erheben. Für einen Vergleich verschiedener Living Lab-Testungen ist die Erhebung eines sogenannten Core-Data Set (z.B. Geschlecht, Alter, Nationalität, Sprache, Nutzergruppe, Zivilstand, Bildungsniveau, Wohnform, Haushaltsgrösse, Wohngebiet, physische und psychische Einschränkungen, Technikerfahrung, vorhandene technische Ausstattung, Testvorerfahrung) sinnvoll. Diese Daten können für Sekundäranalysen verwendet werden, wenn vorab eine entsprechende Einwilligung mittels eines Generalkonsent vorliegt, der sich an den nationalen Ethikkommissionen orientiert.

Rekrutierungsgespräch

Das Rekrutierungsgespräch bildet die Basis für eine erfolgreiche Rekrutierung. Bei Testpersonen 65+ sollte ein besonderes Augenmerk auf Vorbereitung und ausreichend Zeit für das Gespräch gelegt werden. Vor Studieneinschluss sollte mindestens ein (Rekrutierungs-) Gespräch mit der interessierten Person stattfinden, um soziodemographische Angaben und Bedarfe zu erheben und einen ersten persönlichen Kontakt herzustellen[14]. Dabei ist ein persönliches Interview und ein Besuch in der privaten oder institutionellen Wohnumgebung [6] dem ausschliesslich telefonischen Kontakt vorzuziehen, was jedoch nicht immer möglich ist. Wichtig ist auch die Erhebung der Erwartungen der Testpersonen, um dadurch Befürchtungen und Bedenken zu klären und unrealistische Erwartungen besprechen zu können, um Dropouts zu vermeiden. Druck zur Teilnahme darf während des Rekrutierungsgesprächs aus ethischen Gründen keinesfalls stattfinden. Die Teilnahme muss freiwillig und ohne jeden Zwang erfolgen [24] und die Möglichkeit gegeben sein, jederzeit ohne jegliche Nachteile die Teilnahme zu beenden. Die Testpersonen müssen über Rahmenbedingungen, Ziel und Anforderungen der Studie umfassend informiert werden. Diese mündliche Information soll in Anlehnung an die Regeln und Vorlagen der jeweiligen nationalen oder regionalen Ethikkommissionen in einer schriftlichen Studieninformation mit Ziel, Dauer, Ablauf, Rechte, Pflichten, Freiwilligkeit, Nutzen, Risiken, Möglichkeiten des Abbruchs, Vertraulichkeit, Entschädigung, Haftung, Zusicherung des Datenschutzes, Finanzierung und Kontaktpersonen festgehalten werden. Dies wird einerseits von den Ethikkommissionen gefordert, stärkt andererseits auch das Kommitment der Testpersonen gegenüber der Testung.

Ablehnung einer Projektteilnahme im Rekrutierungsgespräch

Wird die Projektteilnahme abgelehnt, sollen die Gründe dafür so detailliert wie möglich erhoben werden. Es sollte erhoben werden, welche Ängste oder Befürchtungen der Teilnahme entgegenstehen, um einerseits Aussagen über die Gruppe der Nichtteilnehmer*innen machen zu können, und anderseits die Motivation zur Teilnahme zu verstehen [25]. Wenn möglich, sollte die Gruppe der Nichtteilnehmer*innen (z.B. Nicht erreichte Personen, angefragte Personen oder Personen, die nach dem Rekrutierungsgespräch ausgestiegen sind) mit möglichst vielen Differenzierungsmerkmalen und den Gründen der Nichtteilnahme beschrieben werden. Der Anteil Nichtteilnehmer*innen sollte angegeben und diese Daten bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden [26]. Das Antwortverhalten von Teilnehmer*innen und Nichtteilnehmer*innen kann sich unterscheiden [27] und kann somit die Validität beeinflussen [28].

Einverständniserklärung

Voraussetzung für dir Studienteilnahme ist die schriftliche Einverständniserklärung der Testpersonen zu Beginn der Testphase [29], verfasst gemäss den nationalen ethischen Richtlinien und geltenden Bestimmungen [1] und den Testpersonen in verständlicher Weise kommuniziert. Auf die formale Gestaltung der schriftlichen Einverständniserklärung muss bei Testpersonen 65+ ein besonderes Augenmerk gelegt werden: Es ist auf eine verständliche Sprache sowie angemessene Kürze zu achten, ohne die korrekte sachlich-inhaltliche Darstellung zu vernachlässigen. Richtlinien zur Formulierung werden meist von nationalen Ethikkommissionen oder Fachverbänden bereitgestellt. Bei der Gruppe der älteren Testpersonen sowie bei speziell eingeschränkten Testpersonen ist zusätzlich eine Orientierung an wissenschaftlichen Empfehlungen zur Formulierung, Strukturierung und Formatierung sinnvoll [30][31].

Umgang mit Dropouts

Bereits zu Beginn muss festgelegt werden, wie mit Ausfällen während der Testung umgegangen wird. Faktoren, die den Ausfall von Testpersonen bedingen sind vielfach [32]. Eine Living Lab-Testung beansprucht z.B. einen längeren Zeitraum, dabei können sich die Umstände (Gesundheitszustand usw.) der älteren Testpersonen rasch verändern sowie altersbedingt vermehrt Todesfälle vorkommen [6][19]. Definiert werden muss der Ablauf beim Auftreten eines Dropouts, der Umgang mit den bisher gesammelten Daten und die Möglichkeit der Nachrekrutierung. Nach Absprache mit den Testpersonen, sollten die bis dahin gesammelten Daten auch weiterhin für Analysen zur Verfügung stehen. Je nach Fragestellung und Produkt ist zu prüfen, ob die Testpersonenanzahl noch ausreichend zur Beantwortung der Forschungsfrage ist, oder ob eine Nachrekrutierung stattfinden sollte bzw. kann.

Datenverarbeitung/Datenschutz

Die Einhaltung der aktuell gültigen Datenschutzbestimmungen ist als selbstverständlich vorausgesetzt, so gilt die neue Datenschutzgrundverordnung europaweit [33][2]. Jeder Testperson wird ein spezifischer Studien-Code zugewiesen, der die einzelnen Daten miteinander verknüpft, jedoch keine Rückschlüsse auf die Testperson zulässt [24], um eine pseudonymisierte Auswertung der Daten zu gewährleisten. Die Zuordnung der erhobenen Daten mit den Personendaten darf nur mit einer separaten Datei, einer sogenannten Codeliste, möglich sein. Diese Codeliste ist separat und unabhängig von anderen (Personen-) Daten zu speichern. Der Datenschutz und die Datensicherheit ist einzuhalten [34][35][36][37]. Den Testpersonen gegenüber müssen die Inhalte und die Vorgehensweise dargelegt werden und die vertrauliche Behandlung ihrer Daten (Interviews, Fragebögen, technische Daten) muss ihnen schriftlich zugesichert werden. Zum Schutz der Privatsphäre der Testpersonen werden ihre Adressen nie an Dritte weitergegeben. Die Kontaktaufnahme findet nach Möglichkeit nur über die zugewiesene Betreuungsperson statt [6]. Die Forschenden sind zudem im Rahmen ihrer Anstellung zur Verschwiegenheit verpflichtet oder füllen eine separate Verschwiegenheitserklärung aus.

Versicherung

Die Gewährleistungsgarantie ist vorab über den Produktehersteller sicherzustellen [38]. Juristische Fragen in Bezug auf Verantwortlichkeit und Haftung müssen ebenfalls vorab geregelt und transparent gemacht werden [37].

Durchführungsphase – Datenerhebung und Betreuung

Beziehungsaufbau

Mit dem Erstkontakt beginnt der Beziehungsaufbau zu einer vertrauensvollen Beziehung und ermöglicht eine langfristige Zusammenarbeit [14].

Vertrauensbildung

Seitens der Testpersonen muss Vertrauen in unterschiedlichen Bereichen vorliegen [39], z.B.:

  • Vertrauen in die Institution selbst
  • Vertrauen in die einzelnen Forschenden
  • Vertrauen in das verwendete technische Assistenzsystem
  • Vertrauen in andere Testpersonen

Um Vertrauen generell herzustellen, müssen möglichst viele einzelne Bereiche berücksichtigt werden. Für die vertrauensvolle Beziehung braucht es eine klar definierte Ansprechperson, deren Aufgaben und Funktionen transparent sein sollten und die über den Projektverlauf hinweg gleichbleibt [40][15][14]. Dies erweist sich besonders bei Personen 65+ als sehr wichtig.

Motivation

Um Dropouts zu vermeiden muss die Motivation über die gesamte Testdauer hinweg, die meist mehrere Monate umfasst, aufrechterhalten bleiben [39]. Die Schaffung einer motivierenden Atmosphäre und intensives Eingehen auf die Testpersonen tragen wesentlich zum Erfolg der Testung bei [41][13]. Regelmässiger Kontakt zeigt eine wertschätzende Haltung den Testpersonen gegenüber und ermöglicht es auf Anliegen einzugehen und Aussagen ernst zu nehmen [9]. Die Motivation hängt massgeblich von den Erwartungen der Testpersonen [25] und der Zuverlässigkeit des Forschungsteams ab, weshalb sie aktiv gesteuert werden sollten [14]. Grundsätzlich scheint die intrinsische Motivation, wie allgemeines Interesse oder der Wunsch etwas zu lernen, relevanter zu sein als die extrinsische Motivation [16], weshalb auch soziale Aktivitäten zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls wichtig sind. Ein finanzieller Anreiz zur Teilnahme scheint nicht nötig zu sein [15][16], und ist in Forschungsprojekten nicht wünschenswert.

Gemeinschaftsgefühl

Eine gute Möglichkeit ein Gemeinschaftsgefühl herzustellen [14][9] und die Verbindlichkeit zu erhöhen [6], sind reale Treffen, an denen die Testpersonen andere Testpersonen, das gesamte Projektteam und weitere Stakeholder treffen können. Ziele dabei sollten sein: Herstellung eines Gemeinschaftsgefühls, Austausch unter den Testpersonen und mit dem Projektteam, Information zum Projekt, Präsentation von Ergebnissen und Abholen der Meinungen und der emotionalen Lage der Testpersonen. Zeit sollte hierbei vor allem für den informellen Austausch eingeplant werden [14]. Alternativ zu den realen, sehr ressourcenintensiven Treffen, lässt sich ein virtuelles Forum auf einer Projekthomepage betreiben. Testpersonen haben somit die Möglichkeit ihren Bekannten das Projekt zu zeigen und sich gegenseitig zu unterstützen, wodurch die Forschenden entlastet werden [14].

Zumutbarkeit / Ökonomie der Datenerhebung

Ökonomische Testverfahren mit einer zumutbaren Testdauer sind für die Testdurchführung auszuwählen und Pausen einzukalkulieren. Layout sowie Fragen- und Instruktionsformulierung müssen zielgruppenspezifisch angepasst werden [30][31]. Die Forscher*innen im Feld sollten mit den jeweiligen Dialekten vertraut sein, damit die Testpersonen in ihrer gewohnten Sprache sprechen können. Ebenso müssen situative Gegebenheiten berücksichtigt werden [42], so ist die Testatmosphäre angenehm zu gestalten, indem Störquellen (wie Gespräche von anderen Personen) eliminiert werden und genügend Zeit zur Verfügung steht [43].

Berücksichtigung weiterer Stakeholder

Neben den Primäranwender*innen (Endnutzer*innen) sind weitere Stakeholder zu berücksichtigen, wie Sekundäranwender*innen (Angehörige oder Fachpersonen und Dienstleistungsorganisationen), Tertiäranwender*innen (Politik; Institutionen) und Forschungs- oder Industriepartner. Die Partizipation dieser unterschiedlichen Nutzergruppen und Stakeholder kann sehr herausfordernd sein, da unterschiedliche Interessen und Zielvorstellungen aufeinandertreffen, die nicht immer alle zufriedenstellend berücksichtigt werden können [14]. Es muss z.B. bedacht werden, dass technikaffine Personen ihre Motivation verlieren könnten, wenn sich das Projekt stets an den Nicht-Technikaffinen orientiert.

Nutzen für die Stakeholder

Angehörige profitieren von assistiven Technologien einerseits direkt durch die Entlastung, andererseits durch die Beruhigung, dass ihre unterstützungsbedürftigen Angehörigen mit hohem Sicherheitsstandard gut versorgt sind [44][45]. Die Bedürfnisse und Bedenken der Angehörigen sind zu berücksichtigen, da sie am Prozess der Nutzung und somit auch am Akzeptanzprozess beteiligt sind [46]. Auch die Bedürfnisse der Fachpersonen im Betreuungsbereich oder der Dienstleistungsorganisationen sollten berücksichtigt werden, da auch sie daran interessiert sind, ältere Personen effizient zu versorgen. Das Interesse der Industriepartner besteht in der Entwicklung möglichst marktfähiger Lösungen und auf der Ebene der Kostenträger wird sich durch das längere selbständige Leben zu Hause oder die Entlastung im Pflegekontext eine Kosteneinsparung erhofft [47]. Daher sind vielfältige Interessen mitzuberücksichtigen und bei Finanzierungsfragen zu adressieren [48].

Abschlussphase – Beendigung der Testung

Exit-Strategie und Entschädigung

Eine Exit-Strategie, d.h. wie die Testung endet, sollte bereits zu Beginn der Testung definiert werden. Möglichkeiten sind beispielsweise: Industriepartner überlässt die Endgeräte zur weiteren Nutzung kostenneutral den Testpersonen, verkauft sie zum Vorzugspreis oder nimmt sie wieder zurück. Auch eine Entschädigung kann im Rahmen der Exit-Strategie definiert werden. Sie muss nicht in finanzieller Form stattfinden, so scheint grundsätzlich eine nicht monetär belohnte Teilnahme zu funktionieren [15][16]. Die Erfahrung zeigt, dass eine «Entschädigung» durch das Angebot eines sozialen Ereignisses (z.B. Abschlussevent mit allen Testpersonen und den Forschenden) sehr wertgeschätzt wird.

Rückmeldung der Studienergebnisse

Die Projektergebnisse sollten den Testpersonen nach Möglichkeit in adäquater Form rückgemeldet werden [37][6]. Wenn Interesse besteht, sollte kommuniziert werden in welcher Form und in welchem Zeitrahmen dies geschieht.

Einzelnachweise

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