Telemedizin

Aus Living Lab AAL
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Wie in allen Bereichen entwickelt sich auch in den deutschsprachigen Ländern die Informations- und Kommunikationstechnologien im gesamten Gesundheitsbereich. Vernetzung auf der einen Seite und dezentralisierte Anwendung in der Peripherie an den Menschen, die z.B. in ländlichen Regionen nicht zur Diagnostik in ein Zentrum kommen können.[1] Telemedizin [2] nutzt wie Telenursing die Informations- und Kommunikationstechnologien und entwickelt sich unter dem Dach eHealth (electronic Health). Hier werden die Distanzen und knappen zeitlichen Ressourcen zwischen ÄrztInnen und PatientInnen, sowie deren Angehörigen überbrückt, zunehmend auch zwischen einer Gruppe von ÄrztInnen und zwischen den behandelnden/beratenden ÄrztInnen und den Pflegenden z.B. direkt beim Patienten im häuslichen Bereich. Es entstehen ganz neue Dimensionen der Diagnostik und der Betreuung, deren Bandbreite momentan erst im Ansatz zu erkennen ist. Begonnen hat Telemedizin im Bereich der Radiologie, wo es in zahlreichen kleineren Kliniken üblich ist die Bilddaten vor Ort aufzunehmen und zur Beurteilung einem spezialisierten Radiologen in ein Zentrum zu schicken. Zeitgleich entstehen durch diese Datensammlungen ein Pool zur diagnostischen Therapieempfehlung, die eine einzelne Klinik alleine nicht aufbauen könnte. Die Telepathologie erhält digitale Gewebeproben und wird von ExpertInnen in kürzester Zeit zentral befundet. Die Qualität der klinischen Befunde erhöht sich dadurch deutlich. In der Fernüberwachung (Telemonitoring) werden Vitalparameter von Patienten erfasst und ausgewertet und wieder zurück an die behandelnden Ärzte, Pflegenden und Patienten gemeldet. Mögliche Parameter sind z.B. Körpertemperatur, Gewicht, Gerinnungswerte, Blutdruck, Blutzuckerwerte, Herz und Atemfrequenz, EKG oder die Aktivitäten des täglichen Lebens (ADLs).

Durch den demografischen Wandel wird die Nachfrage nach eHealth insgesamt steigen und gleichzeitig durch ungeklärte Finanzierungsmodelle gebremst und erschwert. Noch gibt es keine verbindliche Kostenübernahme wie bei anderen medizinischen Leistungen. Ganz besonders der ländliche Raum mit dem eklatanten Ärztemangel hat einen dringenden Implementierungsbedarf.[3]

Effektivität von Apps

Nicht jede App, die einen gewissen Namen trägt, hält auch das, was sie verspricht. Starre Grenzen bei Apps für Zuckerkranke können z.B. Fehlalarme auslösen, welche zu überhöhten Insulindosen führen, was wiederum Folgeprobleme verursacht. Andere Apps versprechen durch deren Verwendung unerreichbare Ziele. [4] Für zuverlässige Verwendung solcher Apps sollten also auf jeden Fall Rücksprachen mit Fachleuten einhergehen.

Apps von staatlichen Institutionen können den Zugang zu offiziellen Maßnahmen, Richt- oder Leitlinien vereinfachen, was schlussendlich einen positiven Effekt hat. [5]

Einzelnachweise

  1. Gerlof, H. Ärzte hadern mit Telemedizin. InFo Hämatol Onkol 23, 55 (2020). https://doi.org/10.1007/s15004-020-7984-9
  2. cas „Gas geben“ bei der Telemedizin. DFZ 60, 9 (2016). https://doi.org/10.1007/s12614-016-6433-5
  3. Meyding-Lamadé, U. Telemedizin. Nervenarzt 88, 111–112 (2017). https://doi.org/10.1007/s00115-016-0268-9
  4. Gesundheits-Apps: von nützlich über sinnlos bis riskant. HNO Nachrichten 50, 3 (2020). https://doi.org/10.1007/s00060-020-7037-x
  5. Winnat, C. App ermöglicht Zugriff auf Krebsleitlinien. HNO Nachrichten 49, 8 (2019). https://doi.org/10.1007/s00060-019-5883-1