Technik

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Begriffsgeschichte

Der Begriff Technik stammt vom griechischen Wort techné, das in der Antike in etwa "die Kunst des Machens" bedeutete. Diese unterschied sich von den schönen Künsten durch ihre Konzentration auf den praktischen Nutzen ihrer Erzeugnisse. Der Begriff bezeichnete somit eine Praxis und nicht einen Gegenstand. Erst mit den wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen, die mit der industriellen Revolution einhergingen, wurde der Technikbegriff zunehmend verdinglicht und auf dingliche Artefakte angewandt.[1]

Wird heute von Technik gesprochen, dann werden im Allgemeinen eher digitale (Kommunikations-)Anwendungen gemeint, allerdings ist der Begriff immer noch vielfältig in Verwendung. So können mit ihm - in Anlehnung an die antike Bedeutung des Begriffs - auch immer noch soziale Praktiken beschrieben werden, wie zum Beispiel die "Liebestechnik" oder Ähnliches.

Die Technologie hingegen, ein Begriff, der oft synonym für technische Artefakte bzw. dinghaft verwendet wird, bezeichnet im ursprünglichen Wortlaut die Lehre (von altgriechisch λόγος, lógos) von der Kunst des Machens. Der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs würde im modernen Sprachgebrauch also in etwa mit der Übersetzung: die "Wissenschaft von der Technik" Genüge getan.

Begriffsdefinitionen

An einer ersten Begriffsdefinition von "Technik" versuchte sich Friedrich von Gottl-Ottlilienfeld[2] bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Er unterschied:

  1. Individualtechnik (Eingriff in die seelisch-körperliche Konstitution des Menschen, z.B.: Technik der Selbstbeherrschung),
  2. Sozialtechnik (Eingriff in die Beziehungen zwischen Handelnden, z.B.: Techniken des Regierens),
  3. Intellektualtechnik (Eingriff in intellektuelle Sachlagen, z.B.: Technik des Rechnens) sowie
  4. Realtechnik (Eingriff in die anorganische Natur, z.B.: Technik des naturbeherrschenden Handelns).

Spätere Definitionen verweisen darauf, dass vor allem der Unterscheidung zwischen weiter gefassten Technikbegriffen und der Realtechnik die meiste Bedeutung zukommt. Die Realtechniken lassen sich nach dem vorliegenden Aktivitätsniveau weiter unterscheiden: Die unterste Stufe passiver Techniken bilden Werkzeuge. Die nächsthöhere Stufe beinhaltet Maschinen, z.B. Motoren, die bereits selbst aktiv sind. Die dritte Stufe bilden kybernetische Mechanismen, die eine Kombination aus Maschine(n) und Sensorik bilden. Derartige „reaktive Techniken“ können in ihrer Funktionsweise gesteuert werden. Die avanciertesten Techniken stellen nach dieser Einteilung die „ interaktive Techniken“ und „ transaktive Techniken“ dar.[3]

Technik und Gesellschaft

In der Techniksoziologie unterscheidet man zwischen zwei Forschungsschwerpunkten. Eine Richtung konzentriert sich auf den "Verwendungskontext" von Technik und Technologien. Es werden vor allem Fragen der gesellschaftlichen Folgen, die die Verwendung einer Technologie nach sich zieht, untersucht. Der andere Schwerpunkt richtet sich auf den "Herstellungskontext" von Technik und Technologie, also auf die gesellschaftlichen Bedingungen, die für die Entstehung einer Technologie gegeben sein müssen (siehe Technik und Gesellschaft).

Technikeinsatz im Alter

In der Pflege und Betreuung älterer Menschen kommt in den letzten Jahren vermehrt Technik zum Einsatz. Für die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten siehe:Alter und Technik, sowie AAL-Technologien.

Einzelnachweise

  1. Rammert, Werner (2008): 'Technik und Innovationen: Kernistitutionen der modernen Wirtschaft. [bei diesem Beitrag handelt es sich um eine erweiterte und aktualisierte Fassung des Überblicks von 2008, der im Handbuch der Wirtschaftssoziologie, hg. von Andrea Maurer, 2. Auflage im Springer-Verlag/ VS 2016, erscheinen wird.], [online] [1]'
  2. Gottl-Ottlilienfeld, Friedrich von (1923): 'Wirtschaft und Technik'. (Die natürlichen und technischen Beziehungen der Wirtschaft 2), Tübingen: Mohr.
  3. Rammert, W. (2003): 'Technik in Aktion: Verteiltes Handeln in soziotechnischen Konstellationen'. In: Thomas Christaller und Josef Wehner (Hg.): 'Autonome Maschinen'. Wiesbaden: Westdt. Verl., S.289–315.