Partizipation

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Der Begriff Partizipation, kann die unterschiedlichen, aber eng verwandten Bedeutungen "Teilhabe", "Teilnahme" oder "Beteiligung" haben [1] In der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) definiert die Weltgesundheitsorganisation Partizipation (hier in der deutschen Übersetzung als "Teilhabe" bezeichnet) als "das Einbezogensein in eine Lebenssituation"[2]. Dieser Definition folgend wird im Gesundheitswesen unter Partizipation meist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verstanden. Teilhabe zeigt sich dann in materieller, politischer, kultureller oder sozialer Natur; beispielsweise in den Genuss von materiellen Gütern und der Fähigkeit diese nutzen zu können, der Wahrnehmung von politischen Rechten oder der Besuch von kulturellen Anlässen wie auch Reziprozitätsverhältnisse in zwischenmenschlichen Beziehungen. [3]

In anderen Bereichen, z.B. der Stadtplanung, wird unter Partizipation eher die Beteiligung von Bevölkerungsgruppen an Planungs- und Entscheidungsprozessen verstanden[1]. Wenn die Bevölkerung sich an Forschungsaktivitäten beteiligt, spricht man teilweise von Citizen Science und im speziellen Fall des gezielten Einbezugs von Stakeholder von Partizipative Forschung.

Soziale Partizipation

Für ältere Menschen kann das sowohl individuell betrachtet Hobbies oder Nachbarschaftspflege umfassen als auch Gruppenaktivitäten wie lokale Events, Freiwilligenarbeit oder religiöse Aktivitäten. Sie lässt sich in drei Untergruppen aufteilen:

  1. Kollektive soziale Partizipation: darunter verstehen sich zwischenmenschliche Aktivitäten in einer Gruppe, die weder produktiv (aus wirtschaftlicher Sicht) noch politisch sind. Beispiele hierfür sind Musizieren, Spielen oder Sport. Psychologische Benefits sind Freude, kognitive Steigerungen oder verminderte Apathie.
  2. Produktive soziale Partizipation: das Anbieten von Services, Gütern oder Vorteilen für andere: z.B. Pflegetätigkeiten, bezahlte oder freiwillige Arbeit, Kindern Bücher vorlesen. Hierbei ist es unter Umständen sogar notwendig, neue Fähigkeiten zu erlernen.
  3. Politische soziale Partizipation: Entscheidungsfindungen, was mit diversen sozialen Gruppen passieren soll, Ressourcen-Management.

Im Alter sozial immer noch relevant zu sein ist kann einen wichtigen Bestandteil gesunden Alterns darstellen. Soziale Partizipation kann auch präventiv vor chronischen Erkrankungen (z.B. Depressionen) schützen. Teilnahme an Freizeitaktivitäten wird mit erhöhten Lebenserwartung, gesundheitsbezogener Lebensqualität und Unabhängigkeit in Verbindung gebracht. [4]

Kritik am Begriff Partizipation

Kritiken am Begriff Partizipation richten sich vor allem auf dessen Unschärfe im Hinblick auf die Frage, wie und wann Teilhabe erreicht sein soll. Der Begriff Teilhabe fungiert dann als Containerbegriff um durch Massnahmen wie Assistive Technology, Soziale Arbeit oder sozio-kultureller Animation ein gewünschtes Mass an Partizipation beziehungsweise Teilhabe erreichen zu wollen, ohne genau zu wissen, wann aus Sicht der Zielgruppen dieses erreicht wird [5]. Hintergrund dieses Dilemmas ist die immanente Relativität des Teilhabebegriffs, dessen Bedeutung stark von der sozialen Umwelt und deren Normen aufgeladen wird. Gleichzeitig ist das Individuum Teil dieser Umwelt und bewertet Teilhabe je nach Sozialisation unterschiedlich. [6] Entsprechend ist Teilhabe immer aus subjektiven und umweltbezogenen Perspektiven zu bewerten. Teilhabe ist dann als Kontinuum zu begreifen, in denen immer die umweltbezogenen Faktoren den subjektiven Faktoren gegenübergestellt werden. Folglich spielt es für die Bewertung von Teilhabe aus Sicht der Individuen eine wichtige Rolle, inwiefern diese im Hintergrund einer eher separativen, integrativen oder inklusiven Form von Teilhabe sozialisiert wurden und welche umweltbezogenen Erwartungshaltungen und Strukturen vorhanden sind. Je nach subjektiven Erwartungshaltungen erfahren Individuen dann auch in integrativen Strukturen Partizipation, während andere Individuen die erlebte Teilhabe in einem integrativen Setting eher als hinderlich bewerten würden und Inklusion als Wertmasstab für die Bewertung ihrer eigenen Situation zu Hand nehmen [7].

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Klöti, T., Drilling, M., Rhim, I., & Kaiser, D. (2014). „Warum eigentlich Partizipation?". Sozialwissenschaftliche Analyse aktueller Partizipationsverständnisse in der Planung, Gestaltung und Nutzung öffentlicher Räume. Olten: Hochschule für Soziale Arbeit FHNW.
  2. World Health Organization.(2001). International classification of Functioning, Disability and Health: ICF. Geneva: World Health Organization.
  3. Felder, Franziska (2012): Inklusion und Gerechtigkeit: das Recht behinderter Menschen auf Teilhabe. Frankfurt a. Main: Campus
  4. Wanchai, A., Phrompayak, D. Social Participation Types and Benefits on Health Outcomes for Elder People: a Systematic Review. Ageing Int 44, 223–233 (2019). https://doi.org/10.1007/s12126-018-9338-6
  5. Felder, Franziska (2012): Inklusion und Gerechtigkeit: das Recht behinderter Menschen auf Teilhabe. Frankfurt a. Main: Campus
  6. Schmidt, Matthias & Dworschak, Wolfgang (2011): Inklusion und Teilhabe. Gleichbedeutende oder unterschiedliche Leitbegriffe in der Sonder- und Heilpädagogik? In: Zeitschrift für Heilpädagogik 62 (7), 269-279
  7. Pfister, A., Studer, M., Berger, F., & Georgi-Tscherry, P. (2018). Teilhabe als Kontinuum – eine gegenstandsbezogene Theorie über verschiedene Teilhabebereiche und Beeinträchtigungsformen hinweg. Teilhabe: die Fachzeitschrift der Lebenshilfe, 57(2), 68-74. https://doi.org/10.5281/zenodo.1314125