Living Lab

Aus Living Lab AAL
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Ein Living Lab oder ein Reallabor ist eine neue Form der Kooperation zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik, bei der das gegenseitige Lernen in einem experimentellen Umfeld im Vordergrund steht.[1]
Folgende sind zentrale Kriterien von Living Labs:

  • Forschung und Entwicklung findet unter realen Bedingungen des Forschungs- und Entwicklungsgegenstandes statt (z.B. im Wohnumfeld älterer Menschen)
  • Die Anforderungen möglichst aller Interessensgruppen (z.B. BewohnerIn, Angehörige, Pflegepersonen, Technologieanbieter, Versicherung) werden berücksichtigt.
  • Iteratives Vorgehen in der Prozess-, resp. Produktentwicklung, -implementierung und -evaluierung.

Es handelt sich bei diesem Konzept um einen Sammelbegriff verschiedener Co-Design Ansätze in unterschiedlichen Disziplinen und Anwendungsfeldern in der Stadtentwicklung, Smart Cities, Healty Aging, Klimawandel, Digitalisierung, Kreativwirtschaft, Bildung u.v.m. Zuweilen stehen dabei technologische, zuweilen soziale Innovationen im Zentrum und manchmal die Verbindung von beidem. Das European Network of Living Labs (ENoLL) bietet einen anschaulichen Überblick über die thematische und konzeptionelle Breite von Reallabor-Initiativen.

Das "Betreute Wohnen" ist eine sehr gut dafür geeignete Wohnform, da die Bewohnenden prinzipiell unabhängig sind, aber trotzdem Ansprechpersonen vorhanden sind, die über Projektziele und -fragestellungen Bescheid wissen. Bei Problemen mit den AAL-Technologien können diese schnell an die richtige Support-Person weiterleiten und so weitere Barrieren überwinden.

Der in Living Labs enthaltene Ansatz des gegenseitigen Lernens legt die Kombination mit Partizipativen Forschungsmethoden wie z.B. Community-Based Participatory Research nahe,[2] während der Anspruch an Verankerung im Alltag ein praxeologisches Verständnis von Technikanwendung nahelegt.[3]

Es wird erwartet, dass die aus Reallaboren hervorgehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse leichter von Politik und Wirtschaft aufgegriffen werden und dass der Gesellschaft daraus ein größerer Nutzen entsteht. Dies setzt eine Öffnung von Innovationsprozessen für alle Beteiligte, Interessierte und (potentiell) Betroffene voraus. Das Quadruple Helix-Modell[4] unterscheidet bei den teilnehmenden Akteuren zwischen Vertretern aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Ziel und Anspruch von Living Labs ist es, aus Vertreter*innen aller Bereiche ein viel-stimmiges Innovations-Ökosystem, einen Sozialraum des gemeinsamen Lernens und Entwickelns zu schaffen.[2]

Einzelnachweise

  1. Brankaert, R., & den Ouden, E. (2017). The design-driven living lab: a new approach to exploring solutions to complex societal challenges. Technology Innovation Management Review, 7(1).
  2. 2,0 2,1 Riva-Mossman, S., Kampel, T., Cohen, C., & Verloo, H. (2016). The Senior Living Lab: An Example of Nursing Leadership. Clinical Interventions in Ageing (11), 255–263.
  3. Ogonowski, C., Jakobi, T., Müller, C., & Hess, J. (2018). Praxlabs: A Sustainable Framework for User-Centered Information and Communication Technology Development—Cultivating Research Experiences from Living Labs in the Home: Oxford University Press. doi:10.1093/oso/9780198733249.003.0011
  4. Domanski, D., & Kaletka, C. (2018). Lokale Ökosysteme sozialer Innovation verstehen und gestalten. In Soziale Innovationen lokal gestalten (pp. 291-308). Springer VS, Wiesbaden.