Interoperabilität

Aus Living Lab AAL
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Interoperabilität ist die Fähigkeit unabhängiger, heterogener Systeme, möglichst nahtlos zusammenzuarbeiten, um Informationen auf effiziente und verwertbare Art und Weise auszutauschen bzw. den Nutzenden zur Verfügung zu stellen, ohne dass dazu gesonderte Absprachen zwischen den Systemen notwendig sind.[1] In der Technik spricht man auch von Kompatibilität, wenn Baugruppen austauschbar sind. Dazu ist in der Regel die Einhaltung gemeinsamer Standards (z.B. über Dateiformate oder Protokolle) notwendig.

Eine schwerwiegende Barriere, die der Verbreitung von AAL-Lösungen heute im Wege steht, ist nach wie vor eine geringe technische Standardisierung und damit begrenzte Interoperabilität einzelner Produkte. Viele heute im Markt befindliche Systeme stehen für Modellvorhaben und Insellösungen. Sowohl unterschiedliche Systeme miteinander als auch Geräte aus einzelnen Systemgruppen können nicht oder nur sehr schlecht miteinander kommunizieren.[2] Bei der Implementierung neuer Technologien in Forschungsprojekten ist es wichtig, viel Zeit für das Testen und Kombinieren einzuplanen. Ansonsten können unvorhergesehene Probleme - sowohl als Benutzerbarrieren als auch Technikbarrieren - auftreten und die Akzeptanz der Technologien drücken.[3]

Definition

Bei der Interoperabilität unterscheidet man zwischen folgenden Aspekten: [4]
Syntaktische Interoperabilität: befasst sich mit den verschiedenen Befehls- und Dateiformaten sowie mit den Protokollen und Beschreibungssprachen, damit die Systeme miteinander kommunizieren und ihre Daten darstellen können.
Semantische Interoperabilität: hier geht es um den Austausch, das Verstehen und Interpretieren von Informationen; dies wird dann erreicht, wenn alle an der Kommunikation beteiligten Systemkomponenten mit einheitlichen Codierungen und Formaten arbeiten.
Domänenübergreifende Interoperabilität: bezieht sich auf standardisierte Praktiken und Richtlinien der eingesetzten Systeme; hierbei geht es nicht um technisch relevante Aspekte, sondern um organisatorische Zusammenarbeit.

Lösungsansätze

Im AAL-Bereich werden vielfach plattformbasierte Konzepte statt isolierter Insellösungen gefordert. Als Basis dazu können Standards aus der Gebäudeautomatisierung, Unterhaltungselektronik sowie der Medizintechnik dienen, die in diesen Domänen bereits etabliert sind. Für die Umsetzung werden folgende Anforderungen gestellt:[5]

  • Offene Gesamtlösung statt proprietärer Systeme
  • Standardisierung und Zertifizierung
  • Offenlegung von Schnittstellen und Open-Source-Konzepte
  • Prüfung von Konformität und Interoperabilität
  • Kooperativer Aufbau und Betrieb einer AAL-Plattform-Lösung
  • Werkzeuge zur Beschaffung und Konfiguration von AAL-Produkten
  • Werkzeuge für die Endnutzerkonfigurierung von AAL-Gesamtlösungen
  • Einbeziehung der gesamten Versorgungs- und Wertschöpfungskette

Vorteile

Eine einheitliche, modular erweiterbare Plattform für AAL-Anwendungen dient der reibungslosen Integration von technischen Lösungen. Systemübergreifende Interoperabilität garantiert Flexibilität und Investitionssicherheit. Anhand von Standards und Normen würde nicht nur ein transparenter Überblick entstehen, sondern in weiterer Folge auch die Interoperabilität und Kombinierbarkeit von AAL erleichtert werden.[6]

Nachteile

Eine Einschränkung auf (wenige) Normen, Standards und Integrationsprofile kann zur Folge haben, dass die Vielfalt an Möglichkeiten einer ständig ändernden Techniklandschaft eingeschränkt wird und neue Ansätze unter Entwickler*innen in einem geringeren Maße aufkommen.

Einzelnachweise

  1. Kleemann, Th. (2018). Interoperabilität - eine Frage des Wollens und nicht des Könnens. In M. Rückert & D. Pförringer (Hrsh.) () Bei bester Gesundheit? Deutschland e-Health im Check-up. München: Hans-Seidel Stiftung e.V.
  2. Becks, T., Dehm, J., & Eberhardt, B. (2007). Ambient Assisted Living. Neue „intelligente “Assistenzsysteme für Prävention, Homecare und Pflege. Assistenzsysteme für Prävention, Homecare und Pflege: Trendpapier DGBMT im VDE.
  3. Förster, K., Werner, T., Hämmerle, I., Kofler, M., Ates, N., Piazolo, F., Pallauf, M., & Fuxreiter, T. (2017). Lessons learned zur Planung und Durchführung von AAL Testregionen. In G. Kempter & I. Hämmerle (Hrsg.), Umgebungsunterstütztes Leben. Beiträge zum Usability Day XV. 22. Juni 2017 (S. 113 – 121).
  4. https://www.itwissen.info/Interoperabilitaet-interoperability-IOP.html, IT-Wissen “Interoperabilität”
  5. Wichert, R., Norgall, T., & Eichelberg, M. (2010, January). AAL auf dem Weg in die Praxis–kritische Faktoren und Handlungsempfehlungen. In Ambient Assisted Living. Deutscher AAL-Kongress (Vol. 3).
  6. AAL Austria (2015). AAL Vision Österreich - Positionspapier.