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Aus Living Lab AAL
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Das IBH Living Lab AAList ein Netzwerk von Hochschulen, Sozialdienstleistern und Technologieanbietern in der internationalen Bodenseeregion, das Menschen mit dauerhafter Beeinträchtigung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilhabe in Reallaboren Zugang zu digitalen Innovationen verschafft, die der Aufrechterhaltung und Steigerung ihrer Lebensqualität dienen.[1] Dazu beschäftigt es sich mit einer Reihe von wissenschaftlichen Themen sowie praktischen Lösungen und stellt das generierte Wissen im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung. Das Ziel wird mit "Active & Assisted Living" (AAL) umschrieben.

Dienstleistungen

Mit AAL werden dienliche Handlungen in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt, die über digitale Technologien zugänglich sind und aufgrund von bestehenden Einschränkungen von Menschen oder der dadurch zu erwartenden Folgen erforderlich werden.

Meist handelt es sich um personenbezogene Dienstleistungen, die an oder mit Menschen mit Unterstützungsbedarf vollzogen werden. Das Deutsche Netzwerk für Sachverständige in der Pflege [2] unterscheidet haftungsrechtlich:

  • Pflege ist die Unterstützung zur möglichst selbstständigen Alltagsbewältigung durch Förderung der gesunden Anteile und durch Maßnahmen gegen die kranken Anteile nach festgelegtem Pflegeplan.
  • Die Betreuung umfasst die allgemeine Sorge für Betroffene, mit dem Schwerpunkt der Erfassung und Erfüllung grundpflegerischer und sozialer Bedürfnisse, aber auch der Aufsichtspflicht.
  • Als Assistenz wird die Ausführung von Tätigkeiten anstelle des Betroffenen beschrieben, wobei die Tätigkeiten nach seinen Anweisungen ausgeführt werden.

Im Rahmen des IBH Living Lab AAL wird der Dienstleistungsaspekt beispielhaft mit dem Thema Technik im Quartier und durch Erfahrungsberichte über verschiedene Projekte in den Partnerländern aufgegriffen.

Eine Dienstleistungs-Recherche für die Bodenseeregion gibt einen Überblick über angebotene Dienstleistungen, sowohl durch digitale Technologien unterstützt als auch reine Mensch-zu-Mensch-Dienstleistungen, sowie eine Auswahl von bestehenden Dienstleistern.

Technologien

Mit AAL werden digitale Innovationen angestrebt, die der alltäglichen Unterstützung von Menschen mit dauerhafter Beeinträchtigung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilhabe dienen. AAL-Technologien haben folgende Qualitätsdimensionen:

Interoperabilität: eine einheitliche, modular erweiterbare Plattform für Anwendungen dient der reibungslosen Integration von technischen Lösungen.
Rechnervernetzung: über das sogenannte "Internet der Dinge" ("Internet of Things", IoT) werden Geräte, Sensoren und Rechner verknüpft und erlaubt von überall innerhalb des Netzwerkes einen Zugriff auf alle Daten.
Datenanalytik: Informationen aus AAL-Anwendungen werden fortlaufend gespeichert und erlauben eine möglichst irrtumsfreie Schlussfolgerung.
Personalisierung: die Anpassung von AAL-Produkten an die individuellen Bedürfnisse macht diese effektiver und effizienter in der Wirksamkeit.
Gebrauchstauglichkeit: einfache Bedienkonzepte berücksichtigen das Potential und die Einschränkungen älterer Menschen.

Anwender*innen

Die Anwender*innen der Dienstleistungen und Technologien für AAL sind primär Dienstleistungsnachfragende oder die Erbringer von Dienstleistungen, welche diese aufgrund bestehender Einschränkungen von Menschen oder dadurch zu erwartender Folgen nutzen. Die AAL Austria[3] unterscheidet zwischen:

Nutzende: Ältere Menschen, Menschen mit dauerhafter Beeinträchtigung, Privatpersonen mit Pflege- und Betreuungsverpflichtungen (üblicherweise Angehörige), Menschen jeden Alters mit Bedarf/Interesse an assistierenden und Lifestyle-Technologien.
Testpersonen: Um die assistiven Technologien möglichst im Sinne der Menschen, die diese Technologien benutzen, zu entwickeln, werden ständig Forschungsprojekte zur Evaluation unter Mitwirkung betroffener Personen (Testpersonen 65+) durchgeführt.
Anbietende: Sozial- und Gesundheitseinrichtungen, kleine bis mittlere regionale Gewerbebetriebe und Handel, geförderter Wohnbau (Genossenschaften), Bauwirtschaft, Architekt*innen, große Unternehmen mit industriellem Fokus auf bestimmte technologische Lösungen im AAL-Bereich, Anbieter von IKT-Infrastruktur (Provider): Telekom, Netzwerkspezialist*innen, Datenbanken, universitäre und außeruniversitäre Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen.

Testumgebungen

Die Evaluation von AAL-Lösungen findet vorwiegend in einem Living Lab statt, d.h. im realen, alltäglichen Umfeld der Endanwender*innen. Da etwa 80 Prozent der hilfs- und pflegebedürftigen Menschen zu Hause versorgt werden,[4] spielt das Wohnumfeld eine zentrale Rolle. Zu den Anforderungen von betreutem Wohnen gehören laut DIN 77800 u.a.:

Dienstleistungsangebote nach freier Wahl wie z.B. haustechnischer Service und weitere Betreuungsleistungen.
regelmäßige Beratung und Information, je nach Bedarf auch mittels Informations- und Kommunikationstechnologie.
technische Infrastruktur zum Anschluss eines Hausnotrufgerätes und Möglichkeiten der Installierung von Zusatzeinrichtungen.
Barrierefreiheit des Gebäudes.

Implementierung

Aufgrund der Vernetzung verschiedener Technologien sind bei der Implementierung von AAL-Anwendungen mehr Absprachen erforderlich als bei konventionellen Vorhaben. In allen Stadien der Implementierung müssen mehrere Personengruppen involviert bzw. beteiligt werden.[5]:

Planung und Umsetzung: zusätzlich zu den Endanwender*innen und Anbieter*innen von Dienstleistungen müssen verschiedene Technologieanbieter*innen (z.B. Elektriker*innen, Automatisierungstechniker*innen, Internet-Provider, Anbieter*innen von spezifischen Geräten) involviert werden. Als Besonderheit zu anderen Vorhaben sind auch ein*e Datenschutzbeauftragte*r und ein*e Systemintegrator*in zu involvieren.

Wartung und Support: nach der Fertigstellung wird das AAL-Setting den Endanwender*innen übergeben und in Betrieb genommen, d.h. entsprechend individueller Anforderungen konfiguriert. Eventuell sind Integratoren von Dienstleistungen und Technologien (z.B. Pflegeeinrichtungen, Immobilienwirtschaft, Hotels, Versicherungen) vorgeschaltet. Für eine nachhaltige Nutzung muss zudem ein Wartungs- und Supportservice eingerichtet werden, der Störungen behebt und neue Funktionen integriert.

Evaluation

Die Technologien und Dienstleistungen in AAL werden auf der Basis empirisch nachgewiesener und wissenschaftlich bewerteter Wirksamkeit eingesetzt. Dieses evidenzbasierte Vorgehen verlangt die wissenschaftliche Evaluation der entsprechenden Maßnahmen. Die Deutsche Gesellschaft für Evaluation e.V.[6] nennt vier grundlegende Eigenschaften, welche Evaluationen aufweisen sollen:

Nützlichkeit: soll sicherstellen, dass der Evaluationszweck geklärt sowie am Informationsbedarf der Nutzer*innen ausgerichtet ist.
Durchführbarkeit: soll sicherstellen, dass eine Evaluation realistisch, gut durchdacht und kostenbewusst geplant und ausgeführt wird.
Fairness: soll sicherstellen, dass in einer Evaluation respektvoll und fair mit den betroffenen Personen umgegangen wird.
Genauigkeit: soll sicherstellen, dass eine Evaluation gültige Informationen und Ergebnisse hervorbringt und vermittelt.

Die Evaluation von AAL-Projekten ist je nach Aufstellung (z.B. Anzahl Testwohnungen, verwendete Technologien) unterschiedlich in ihrer Methodik.

Grundlagen

Die Expertengruppe, die das europäische AAL-Programm von 2008 bis 2013 evaluierte, bescheinigte diesem Konzept zwar gute Fortschritte im Bereich der Forschung, Entwicklung und Innovation, stellte aber auch fest, dass die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sowie eine breite Marktdurchdringung noch auf sich warten lassen.[7] Folgende AAL-Barrieren werden dafür verantwortlich gemacht:

Benutzerbarrieren sind z.B. unerfüllte Bedürfnisse und Akzeptanzprobleme auf Seiten der Endbenutzer*innen.
Technikbarrieren sind z.B. mangelnde technische Interoperabilität und ungenügende Gebrauchstauglichkeit von Assistenztechnologien.
Eine Netzwerkbarriere ist z.B. die unzureichende Prozessintegration von Technik und damit einhergehenden Dienstleistungen oder die fehlende Abstimmung zwischen den Entwicklern.
Marktbarrieren umfassen z.B. alle unzureichenden Aspekte eines Geschäftsmodells (Vermarktung, Finanzierung, Wartung etc.).

Qualifikation & Wissenstransfer

Aufgrund der AAL-Initiativen kommen sowohl auf Expert*innen aus sozialen und technischen Disziplinen als auch auf Laien neue Herausforderungen und Kompetenzbedarfe zu. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung förderte in Deutschland neun Projekte zur Weiterbildung im Bereich altersgerechter Assistenzsysteme.[8] Folgende Ansätze werden verfolgt:

Durch Trainings- und Ausbildungsprogramme erhalten handwerklich und technisch qualifizierte Fachkräfte Kompetenzen in den Feldern Medizin, Pflege und Gerontologie. Personen mit medizinischen, pflegerischen und sozialen Berufskenntnissen erhalten im Gegenzug Kenntnisse über die von ihnen eingesetzten technologischen Assistenzsysteme.

Bei der Beratung zu technischen Hilfen geht es darum, mittels lebensweltorientierter Beratung ältere Menschen darüber zu informieren, welche technischen Möglichkeiten es zur Unterstützung von Selbstständigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe gibt.

Mittels Technologie- und Wissenstransfer findet ein Austausch zwischen der Wissenschaft und Praxis statt.

Geschäftsmodell

Für manche nützliche AAL-Lösungen gelingt es nicht, ein tragfähiges Geschäftsmodell für die Einführung der neuen Lösung in den Markt zu entwickeln. Salzburg Research hat daher verschiedene Methoden zur Geschäftsmodell-Entwicklung für AAL-Lösungen zusammengestellt.[9] Sie klassifizieren die Methoden in sechs Phasen:

  1. Initiierung eines Geschäftsmodells
  2. Ideenfindung und -bewertung
  3. Entwicklung einer Geschäftsmodell-Vision
  4. Entwicklung eines Geschäftsmodell-Prototyps
  5. (Test-)Implementierung des Geschäftsmodells
  6. Erweiterung eines Geschäftsmodells

Autorenliste

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