Gebrauchstauglichkeit

Aus Living Lab AAL
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Gebrauchstauglichkeit (englisch Usability) bezeichnet nach DIN EN ISO 9241-11 das Ausmaß, in dem ein Produkt, System oder ein Dienst durch bestimmte Nutzende in einem bestimmten Anwendungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen. Sie ist damit eng verwandt mit dem umgangssprachlich geläufigeren Begriff der Benutzerfreundlichkeit (engl. user friendliness) sowie dem breiter gefassten Konzept der User Experience (UX). Es gibt im Wesentlichen fünf Kriterien, an Hand derer Usability oder Gebrauchstauglichkeit gemessen wird. Das sind [1]

  • Erlernbarkeit: Wie leicht können grundlegende Aufgaben ausgeführt werden, wenn ich das erste Mal mit einem Produkt in Berührung komme?
  • Effizienz: Wie schnell können Nutzende die Aufgaben ausführen, wenn sie sich mit dem Design, der Bedienoberfläche, vertraut gemacht haben?
  • Einprägsamkeit: Wie leicht und schnell können Nutzende mit dem Produkt wieder arbeiten, auch wenn sie längere Zeit nicht damit gearbeitet haben?
  • Fehler und Fehlerbearbeitung: Wie viele Fehler machen die Nutzenden und wie gravierend sind diese? Wie schnell und leicht kann ein Fehler behoben werden? Dazu gehört auch die Bereitstellung von Fehlermeldungen, die für die Nutzenden hilfreich sind.
  • Zufriedenstellung: Wie angenehm ist es, ein Produkt zu benutzen?

Um eine gute Gebrauchstauglichkeit eines Produkts zu erreichen, ist es notwendig die Entwicklung von Anfang an als Human Centered Design Prozess zu gestalten. Die längere Entwicklungszzeit durch die Einbindung der Endnutzenden während der gesamten Entwicklung wird wettgemacht durch eine wesentlich höhere Akzeptanz des Produkts.

Bei den Gebrauchseigenschaften wird zudem zwischen den unbedingt erforderlichen und denen mit zusätzlichem Nutzen unterschieden. Die Gebrauchstauglichkeit kann sich im Rahmen der standardisierten Betrachtung immer nur auf hinreichend objektivierbare Tatbestände beziehen.

Die Untersuchung der Gebrauchstauglichkeit inkl. der Benutzerfreundlichkeit sind wesentliche Komponenten bei Warentests. Insbesondere werden dabei die Mensch-Maschine-Schnittstellen, beziehungsweise User Interfaces betrachtet.

Gesundheitlich-sozialer Bereich

Im gesundheitlich-sozialen Bereich (und somit auch im Kontext von Active & Assisted Living) steht die Usability physischer Orte, von Informationen, Produkten oder Dienstleistungen für Personen mit unterschiedlichen physischen, kognitiven oder sensorischen Voraussetzungen im Vordergrund. Der Begriff Usability bezeichnet in diesem Zusammenhang “that a person should be able to use, i.e. move around, be in and use, the environment on equal terms with other citizens” [2]. Somit ist Usability auch dem Begriff der Barrierefreiheit oder Zugänglichkeit (engl. Accessibility) eng verwandt.

Person-Environment Fit

Das Konzept der Usability ist wie das Konzept der Barrierefreiheit oder Zugänglichkeit (engl. Accessibility) an der Schnittstelle zwischen Person und Umwelt angesiedelt. Während Barrierefreiheit das Ausmass bezeichnet, zu dem physische Orte, Informationen, Produkte oder Dienstleistungen für Personen mit unterschiedlichen physischen, kognitiven oder sensorischen Voraussetzungen zugänglich sind, bezeichnet Usability das Ausmass, zu welchem sie für diese Personen ihrem Zweck gemäss tatsächlich nutzbar sind, i.e. “how well the design of the environment enables functioning, performance, and well-being, mainly from the user’s perspective” [2]. Umwelt (engl. environment) bezeichnet hier nicht lediglich die physische, sondern auch die soziale Umwelt. Das Ausmass, in dem die Anforderungen der Umwelt zu den persönlichen Ressourcen eines Indivduums passen, um eine erfolgreiche Betätigungsperformanz zu unterstützen, wird als Person-Environment Fit bezeichnet. Ein Ansatz, physische Orte, Informationen, Produkte oder Dienstleistungen so zu gestalten, dass sie für Personen mit unterschiedlichen physischen, kognitiven oder sensorischen Voraussetzungen gleichermassen zugänglich und nutzbar sind, wird als Universal Design bezeichnet.

Usability im Bereich AAL

Die Usability von AAL-Produkten spielt eine wichtige Rolle in der Akzeptanz und Nutzung. Dass es sich bei AAL-Produkten oft um technologische Produkte handelt, die Zielgruppe allerdings zu einem grossen Teil hochaltrige Menschen sind, welche moderne Technologien deutlich weniger oft nutzen als jüngere Menschen, ist dabei eine besondere Herausforderung. Dieser „Digital divide“ muss bei der Entwicklung und Implementierung von AAL-Produkten für diese Zielgruppe berücksichtigt werden. Oft können Angehörige hier eine wichtige unterstützende Funktion einnehmen.

Je nach dem, ob Technologien aktiv genutzt werden müssen oder passiv auf die End-user reagieren, wird auch die empfundene Gebrauchstauglichkeit unterschiedlich bewertet: funktionierende passive Geräte sind sehr willkommen, komplizierte, aktive Bedienungen setzen die Motivation und Fähigkeit voraus, eine Lernkurve zu durchwandern [3].

Einzelnachweise

  1. Nielsen, Jakob (2012): Nielsen Norman Group. Usability 101: Introduction to Usability. Online im Internet: URL: https://www.nngroup.com/articles/usability-101-introduction-to-usability/
  2. 2,0 2,1 Iwarsson, S., & Ståhl, A. (2003). Accessibility, usability and universal design—positioning and definition of concepts describing person-environment relationships. Disability and rehabilitation, 25(2), 57-66.
  3. Pallauf, M., Hämmerle, I., Kofler, M., Förster, K., Werner, T., & Kathrein, J. (2020). Assistenztechnologien im Wohnraum älterer Menschen—Erwartungen und Akzeptanz. Umweltpsychologie, 23. Jg.(H. 1), 10 – 33.