Fürenand.ch

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Projektidee und Geschichte von fürenand.ch

Mit einer Generationen-Plattform wollte die Belvita Schweiz AG ursprünglich ihr Angebot als Pflegeorganisation komplementieren und ein Vermittlungstool zur Generationen-übergreifenden, nachbarschaftlichen und spontanen Hilfevermittlung anbieten. Bei der Marktabklärung und Recherche zeigte sich, dass es einerseits schon einige solcher Plattformen gibt und andererseits die Bedürfnisse in den Quartieren wesentlich vielfältiger sind. So wurde der Fokus zusätzlich bei der Konzipierung auf die Frage gelegt, was einer Belebung von Nachbarschaften dienlich ist; mit dem Wissen, dass in gut funktionierenden Nachbarschaften auch Bedürftige und ältere Personen besser aufgehoben sind.

So sind die einzelnen Rubriken/Funktionalitäten entstanden. Auch Organisationen und das Gewerbe sind wichtig in einer Nachbarschaft – ob als Dienstleister, für den Naheinkauf, als Arbeitgeber und auch als Steuerzahler. Entsprechend hat die Belvita AG die Kommunikations-Plattform fürenand.ch neu mit dem Schwerpunkt Selbstorganisation in Quartieren, Nachbarschaften und Gemeinden erstellt. Menschen können sich so in ihrem Umfeld generationenübergreifend untereinander und mit Organisationen vernetzen - für ein Näherrücken, gegenseitige Hilfe und Unterstützung, für mehr Sicherheit und Transparenz und gegen die Anonymisierung (Wissen was läuft und wer in der Nachbarschaft lebt).

Die Plattform soll zudem eine Ergänzung zu den physischen Hilfs-Angeboten sein und auch den Organisationen (Pro Senectute, Nachbarschaftshilfe und Zeitvorsorge, etc.) die Möglichkeit bieten, darauf zu posten, ihre Veranstaltungen und Angebote zu publizieren und sich als geschlossene Gruppe darauf zu organisieren.

Pilotphase und Markteinführung

Die Plattform fürenand.ch ist seit Ende März 2017 online. Sie startete damals mit einer ersten Pilotnachbarschaft, dem Kulturpark Zürich West. Zügig wurden auch weitere Pilotnachbarschaften zum Test der Plattform aufgeschaltet und somit ein direkter Kanal zur Zielgruppe zum Aufnehmen von Wünschen und Bedürfnissen an die Weiterentwicklung geschaffen. Bis spätestens Anfang Oktober 2018 soll die 5. Version der Plattform getestet sein und die Pilotphase somit abgeschlossen werden.

5 Nachbarschaften sind bereits seit letztem Jahr aktiv und 17 sind im Jahr 2018 neu gestartet. Mindestens 10 Nachbarschaften/ Gemeinden werden bis Ende des Jahres 2018 noch erstellt. Anfang 2019 wird die “Endversion” dann als kostenlose Lösung in der Deutschschweiz und im Süddeutschen Raum ausgerollt; auch die Romandie und das Tessin werden als Zielregionen angestrebt.

Die Zukunft der Plattform

Mit dem Abschluss der Pilotphase ist die Plattform in der Version V1.5 auf einem sehr hohen praxis-orientierten Niveau; dennoch wurde bereits die Entwicklung weitergehender Funktionalitäten in Auftrag gegeben. Der Fokus liegt bei der Weiterentwicklung in der Hilfestellung für ältere User (Videoerklärung für die Registrierung und die Nutzung, sowie eine dynamische Mouseover-Hilfefunktion) und auch in Themen der Unterhaltung (kognitive Spiele wie Sudoku, Rätsel und die Vermittlung von Wissen) sowie in der Stärkung der Regionalität, d.h. Themen wie Wohnen, Arbeiten und Einkaufen sowie Sharing in der unmittelbaren Umgebung. Die Plattform kann trotz den neuen zukünftigen umfassenden Funktionen übersichtlich und einfach gehalten werden.

Ein zentraler Punkt ist die Sicherheit, einerseits die IT Sicherheit, aber auch die Sicherheit innerhalb von „geschützten“ Nachbarschaften kommunizieren zu können. Deshalb wurde eine zweistufige Sicherheitsprüfung in den Registrierungsprozess eingebaut. Als erstes wird die E-Mail-Adresse verifiziert und danach die Korrektheit der Wohnadresse mit der Nachbarschaftsauswahl geprüft. Nur wirklich in der Nachbarschaft wohnende Personen und darin domizilierte Organisationen erhalten eine Freischaltung. Die Adressen werden inskünftig regelmäßig überprüft, weil wegziehende Personen oft vergessen sich abzumelden. Die Sicherheitsupdates erfolgen zudem regelmäßig.

Die User müssen sich mit Ihrem korrekten Namen anmelden, ein Nickname ist nicht gestattet. Die klare Identifizierung wer was postet, soll gewährleistet sein – Anstand, Ehrlichkeit und Respekt sind auch auf Plattformen wichtige Aspekte. Die Erfahrungen mit den aktuellen Nachbarschaften auf fürenand.ch zeigen diesbezüglich sehr Positives: es wurden bisher nur für die Nachbarschaft sinnvolle und hilfreiche Dinge gepostet. Die Möglichkeit auf der Plattform einen Missbrauch zu melden wurde bisher noch nie gebraucht.

Für die Datensicherheit wird die Plattform in der Schweiz gehostet. Die Kommunikation erfolgt End to End verschlüsselt. Alle Passwörter sind auch für den Admin und die Programmierer*innen verschlüsselt und nicht sichtbar. Es wird soweit möglich auf externe Dienste, mit einer Ausnahme: Google Maps, verzichtet. Belvita verfolgt bei der Datennutzung eine klare Politik. Es werden keine Daten an Dritte weitergegeben oder weiterverkauft, auch Belvita nutzt die Daten nicht zu eigenen Werbezwecken. Die User bleiben im Besitz ihrer Inhalte: Texte, Bilder und Dokumente.

Nachbarschaftsgröße und Kommunikationsradius

Die Nachbarschaftsgrößen lassen sich frei nach den örtlichen Gegebenheiten und Anforderungen bestimmen. Dabei ist eine Zusammenarbeit mit den Initianten vor Ort wichtig. Einzelne Nachbarschaften lassen sich dann zu einer Umgebung zusammenschließen. Damit erweitert sich der Kommunikationsradius, weil es oftmals Themen gibt, die über eine Quartiersgrenze hinweg kommuniziert werden müssen. Als Beispiel können wir hier den Post „Katze entlaufen“ nehmen. Diese wird sich beim Ausreißen nicht an die Grenzen der Nachbarschaftsplattform halten und in einem weiteren Umfeld gesucht werden müssen.

Jeder User bestimmt selbst seinen Kommunikationsradius innerhalb einer Umgebung. Auf einfache Weise kann jeder in seinem Profil die gewünschten Nachbarschaften in der zusammengeschlossenen Umgebung aktivieren/ deaktivieren. Dann kann bei jedem Post gewählt werden, ob dieser in der eigenen Nachbarschaft oder in der eigenen Nachbarschaft und der selber definierten Umgebungsnachbarschaften sichtbar sein soll. Bei der Bestimmung der Nachbarschaftsgrösse ist die Menge an Mitteilungen mit zu berücksichtigen, weil eine grosse „Flut“ an Posts zu Unübersichtlichkeit führen kann.

Profilsichtbarkeit und Benachrichtigungen

Die Profile der privaten Nutzer*innen sind nur in der eigenen Nachbarschaft sichtbar, die Profile der Gewerbebetriebe und Vereine aber in allen Nachbarschaften einer definierten Umgebung. Partner von fürenand.ch und Belvita Schweiz AG haben keine Einsicht in die Nachbarschaften, sind aber in allen Nachbarschaften auf der Plattform mit ihrem Profil einsehbar. Zur Personalifizierung steht die Funktion „Ausblenden“ allen User zur Verfügung, um eine Person oder Organisation auszublenden und so deren Post nicht mehr zu erhalten. Im eigenen Profil können die Benachrichtigungen für Mitteilungen aus der Plattform eingestellt werden - zurzeit erfolgen diese per E-Mail. Die Plattform wird aktuell vollumfänglich von Belvita Schweiz AG administriert – unter anderem aus Sicherheitsgründen. Das heißt für einzelne Quartiere und Nachbarschaften sowie Gemeinden und Bezirke entstehen diesbezüglich keine zeitlichen oder finanziellen Aufwendungen.

Einzelnachweise