Ehrenamtliches Engagement, Alter und Pflege

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Meist wird die Freiwilligenhilfe als freiwilliges, unbezahltes, im eigenen Ermessen liegendes und prosoziales Verhalten verstanden [1]. Unabhängig davon, ob dieses Verhalten mit ideellen Motiven [2] oder – wie in der mittlerweile über 20 Jahre andauernden Debatte über die Modernisierung des Ehrenamts – mit anderen bzw. zusätzlichen Gratifikationserwartungen (von Anerkennungs- bis Selbsthilfeaspekten) in Zusammenhang gebracht wird [3], steht es nicht außerhalb von qualitätssichernden und gesundheitsökonomischen Gesichtspunkten.

Ehrenamtliche Tätigkeiten im Alter und der Pflege sind ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Ohne diese Menschen, die einen Teil ihrer Freizeit dazu verwenden, Bedürftigen freiwillig zu helfen würde ein Großteil des Sozialsystems nicht funktionieren. So lag die Freiwilligenrate lag z. B. im Jahr 2010 in der Europäischen Union bei 22–23% der Gesamtbevölkerung (in Deutschland lag der Wert 2014 bei 44% [4]) – 1995 waren 7,8% der Freiwilligen im Gesundheitssektor tätig. Die so erbrachten Dienstleistungen belaufen sich auf geschätzte 0,1–5% des Bruttoinlandprodukts [5]. Das freiwillige Engagement in Pflege- und Sorgekontexten gehört zu den sozialpolitisch relevantesten engagementpolitischen Themen der letzten Jahre. Die Bedeutung des Themas steht im Zusammenhang mit der wachsenden Zahl der auf Pflege angewiesenen Menschen, dem Rückgang von Ressourcen in der Pflege und in Familien sowie den begrenzten Sozialleistungen für Menschen mit Pflegebedarf. Auch Engpässe auf dem Arbeitsmarkt führen zu einem „höheren Bedarf“ an freiwillig Engagierten. Auch im Zusammenhang mit der Diskussion um sorgende Gemeinschaften spielen Freiwillige eine zentrale Rolle [6].

Deutscher Freiwilligensurvey

Der Deutsche Freiwilligensurvey (FWS) stellt die wesentliche Grundlage der Sozialberichterstattung zum freiwilligen Engagement in Deutschland dar. Im Jahr 1999 zum ersten Mal durchgeführt, wird der Freiwilligensurvey seitdem in fünfjährlichem Abstand wiederholt (2004, 2009, 2014). Aus dem Freiwilligensurvey 2014 sind folgende Erkenntnisse hervorzuheben [4]:

  • Im Jahr 2014 sind 43,6 Prozent der deutschen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren freiwillig engagiert. Frauen engagieren sich etwas seltener als Männer (41 %). Die Altersgruppe der über 65 Jährigen engagiert sich anteilsmäßig am wenigsten. In allen Bevölkerungsgruppen ist ein Anstieg des freiwilligen Engagements zu beobachten.
  • Die informelle Unterstützung im außerfamilialen sozialen Nahraum ist quantitativ von ähnlicher Bedeutung wie das freiwillige Engagement. Zwei Fünftel der Wohnbevölkerung im Alter ab 14 Jahren leisten informelle Unterstützung für Nachbar*innen, Freund*innen, Bekannte und andere. Diese umfasst instrumentelle Hilfeleistungen, die Betreuung und Pflege nicht-verwandter Personen außerhalb des eigenen Haushaltes sowie die Betreuung nicht-verwandter Kinder. Bei den letzteren beiden leisten Frauen einen wesentlich höheren Beitrag als Männer, während Frauen anteilig seltener instrumentelle Hilfen leisten.

Einzelnachweise

  1. Finkelstein, M. A. (2007). Correlates of satisfaction in older volunteers: a motivational perspective. In Int J of Volunteer Administration (pp. 6–12).
  2. Clary, E. G., Synder, M., Ridge, R. D., Copeland, J., Stukas, A. A., Haugen, J., & Miene, P. (1998). Understanding and assessing the motivations of volunteers: a functional approach. In Journal of personality and social psychology (74th ed., pp. 1516–1530).
  3. Müller, S., Rauschenbach, T., & Otto, U. (1992). Vom öffentlichen und privaten Nutzen des sozialen Ehrenamtes. In Das soziale Ehrenamt (2nd ed., pp. 223–242). Weinheim, Juventa.
  4. 4,0 4,1 Simonson, J., Vogel, C., & Tesch-Römer, C. (2017). Freiwilliges Engagement in Deutschland. Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014. Wiesbaden: Springer VS.
  5. European Commission. (2011). Study on volunteering in the EU. Retrieved from http://ec.europa.eu/citizenship/pdf/doc1018_en.pdf
  6. Bundesministerium für Familie, Senioren, F. und J. (2016). Siebter Altenbericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland: Sorge und Mitverantwortung in der Kommune - Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften und Stellungnahme der Bundesregierung. Berlin, Deutschland: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.