Alter und Technik

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In diesem Beitrag wird der Zusammenhang zwischen dem Älterwerden und dem Verwenden von Technik erörtert. Der Text geht der Frage nach, welche Aspekte berücksichtigt werden müssen, wenn den Herausforderungen des Älterwerdens mit Technik begegnet wird. Es werden die Bereiche des Wohnens, des Sozialen und der Technikakzeptanz älterer Menschen behandelt.

Aspekte des Alterns

Bedeutung des Wohnraums

Im Alter nimmt die Bedeutung des Wohnens noch einmal um ein Vielfaches zu, da sich der Bewegungsraum der Menschen einschränkt und sie vermehrt Zeit in den „eigenen vier Wänden“ verbringen. Ihr Alltag verlegt sich also vermehrt in die eigene Wohnung hinein, wodurch diese noch mehr zum Lebensmittelpunkt wird. [1][2][3] Gerade weil ältere Menschen viel Zeit in der eigenen Wohnung verbringen, kommt deren Zustand eine noch wichtigere Bedeutung zu. Die baulichen Gegebenheiten sind oft nicht mehr auf dem neuesten Stand, da viele ihre Wohnungen, die oft auch aus alter Bausubstanz bestehen und die sie manchmal schon lange bewohnen, nicht aufgeben wollen [4][2]

Ähnliches gilt für die unmittelbare Wohnumgebung. Auch sie gewinnt bei verringertem Bewegungsradius an Bedeutung. Ältere Menschen sind davon abhängig, dass sie von einer Infrastruktur umgeben sind, aus der heraus sie sich versorgen können und die ihnen einen ausreichenden gesundheitlichen Service gewährleistet. Außerdem wird die soziale Zusammensetzung der Wohnumgebung verstärkt wahrgenommen, mit allen damit verbundenen Emotionen oder Vorurteilen, etwa gegenüber Neuzugezogenen [1][2][3] Hinzu kommt, dass Menschen, egal welcher Altersschicht, Wert auf ein möglichst selbständiges und würdevolles Leben legen. [1] Dieser Aspekt wird zu dem Zeitpunkt wichtig, an dem aufgrund altersbedingter Lebensumstände eine Veränderung der Wohnsituation angedacht werden muss, sei es durch einen Aus- bzw. Umbau derselben oder durch einen Umzug oder das Hinzuziehen von Betreuungs- oder Pflegekräften. An dieser Stelle können insbesondere AAL-Technologien ansetzen.

Soziale Aspekte des Älterwerdens

Soziale Einflussgrößen gewinnen für Menschen im Alter vermehrt an Wichtigkeit. Der Einfluss sozialer Ungleichheitsfaktoren nimmt im Alter tendenziell zu (Kumulationsthese). So kann sich zum Beispiel mit dem Eintritt in die Pension oder mit dem Versterben von PartnerInnen die Lebenssituation verschlechtern [1][5] Ersichtlich wird das etwa am Phänomen der Altersarmut. Sie betrifft vor allem alleinstehende Frauen. In Österreich sind 16 Prozent der Frauen im Alter von über 65 Jahren von ihr betroffen. In absoluten Zahlen sind das etwa doppelt so viele Frauen wie Männer.[6] In Bezug auf den Einsatz von Technologien ist das insofern von Bedeutung, als der auch immer von der sozialen Situation der AnwenderInnen abhängig ist.

Technikakzeptanz älterer Menschen

Es gibt verschiedene Erklärungen dafür, dass ältere Menschen anders mit dem technologischen Fortschritt umgehen und diesen anders wahrnehmen als jüngere. In der sozialwissenschaftlichen Forschung wird dieses Phänomen unter dem Begriff der Technikakzeptanz zusammengefasst.

Technikeinsatz im Alter

Der Umgang mit der älteren Bevölkerung ist ein wesentlicher Bereich, in dem die technische Entwicklung und die gesellschaftliche Entwicklung sich wesentlich gegenseitig beeinflussen (siehe auch Technik und Gesellschaft). Digitale Technologien werden im Gesundheits- und Sozialbereich, sowie in der Betreuung älterer Menschen bereits seit längerer Zeit verwendet. Dabei können verschiedene Bereiche definiert werden, in denen Technik in der Gesundheitswirtschaft eingesetzt wird:

  1. In der Beschaffung von Informationen durch Privatpersonen (Stichwort Dr. Google), sowie auf Plattformen zum Austausch von Patient*innen untereinander.
  2. In der digital unterstützten Leistungserbringung (z.B. Hausnotruf). Auch das Monitoring von Vitalparametern (z.B. Fernüberwachung von EKG-Werten) würde hier hinzugezählt werden können.
  3. Bei der Erfassung und Begleitung der persönlichen Gesundheitslage durch Apps (Stichwort: "Quantified Self")
  4. Im Management von Versorgungsprozessen kommen zunehmend digitale Ansätze zum Einsatz. Das kann innerhalb von Gesundheitsorganisationen, als auch zwischen den einzelnen Organisationen stattfinden (z.B. Optimierung des Zusammenspiels in der geriatrischen Versorgung einer Gemeinde durch eine digitale Service- und Austauschplattform).
  5. Für ältere Menschen besonders relevant ist jedoch der Anwendungsbereich der AAL-Technologien. Mit diesem Begriff wird die Ausrüstung privater Haushalte und Wohnungen mit Hilfssystemen und Überwachungstechnologien beschrieben. Mittels von AAL soll älteren Menschen für möglichst lange Zeit ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Kleiner, Gabriele (2012): 'Altern zwischen Partizipation und sozialer Ungleichheit.' In: diess. (Hg.), Alter(n) bewegt. Perspektiven der sozialen Arbeit auf Lebenslagen und Lebenswelten, Wiesbaden: Springer VS, S.22-32.
  2. 2,0 2,1 2,2 Backes, Gertrud; Clemens, Wolfgang (2008): 'Lebensphase Alter. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Alternsforschung', 3. Aufl., Weinheim Basel: Beltz Juventa.
  3. 3,0 3,1 Thiele, Gisela (2001): 'Soziale Arbeit mit alten Menschen. Handlungsorientiertes Grundwissen für Studium und Praxis', Köln: Fortis.
  4. Hildebrandt, Johanna (2012): 'Lebenswelten im Wohnkontext' In: Gabriele Kleiner (Hg.), Alter(n) bewegt. Perspektiven der sozialen Arbeit auf Lebenslagen und Lebenswelten, Wiesbaden: Springer VS, S.195-204.
  5. Pelizäus-Hoffmeister, Helga (2013): 'Zur Bedeutung von Technik im Alltag Älterer. Theorie und Empirie aus soziologischer Perspektive.' Wiesbaden: Springer VS.
  6. Statistik Austria (2017): Tabellenband EU-SILC 2016 - Einkommen, Armut und Lebensbedingungen. Wien: Statistik Austria.